Christoph Minhoff im Interview mit WDR 5
Aktualisiert: vor 24 Stunden

Das Kabinett hat sich auf eine Zuckersteuer für Getränke geeinigt. Kommen soll sie nach den bisherigen Plänen ab Sommer 2027. Für Getränke mit 5 bis 8 Gramm Zucker pro 100 Milliliter sind 26 Cent pro Liter vorgesehen, darüber wird es teurer. Eine Literflasche Cola würde damit inklusive Mehrwertsteuer rund 30 Cent mehr kosten, ein Kasten etwa 4,50 Euro.
Ist das ein angemessener Preis für mehr Gesundheit? WDR 5 hat diese Frage Christoph Minhoff gestellt, dem Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Seine Antwort ist eindeutig: Nein. „Es ist kein Beitrag zu einer höheren Gesundheit“, sagt Minhoff. Die Annahme, eine Steuer mache die Menschen gesünder, beruht auf einer Kausalität, die es nicht gebe.
Kein Land hat so Übergewicht gesenkt
Befürworter berufen sich auf Modellstudien. Die Erfahrungen aus Ländern mit Zuckersteuer zeigen etwas anderes. „Da werden Sie nicht ein einziges Land finden, bei dem durch die Zuckersteuer irgendwie die Übergewichtsraten reduziert wurden“, so Minhoff. In Großbritannien hat die Steuer vor allem die Auswahl verkleinert. Erfrischungsgetränke ohne Süßstoff gibt es dort kaum noch.
Die Branche reduziert längst
Darüber hinaus sinkt der Zuckerkonsum in Deutschland seit Jahren. Im Rahmen der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie hat die Ernährungsindustrie den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich gesenkt. Das staatliche Max Rubner-Institut hat den Prozess begleitet. Sein Fazit: Die Branche hat alle Vorgaben eingehalten.
Geld für den Haushalt, nicht für die Gesundheit
Die Einnahmen sollen nicht der gesetzlichen Krankenversicherung zugutekommen. Sie sollen Löcher im Bundeshaushalt stopfen. „Das hat mit einer seriösen Gesundheitspolitik nichts, aber auch gar nichts zu tun“, sagte Minhoff.
Dazu kommt neue Bürokratie. Unternehmen müssen physische Steuerlager aufbauen, der Zoll braucht zusätzliches Personal. Eine Folgenabschätzung gibt es nicht, mit den Betroffenen hat niemand gesprochen.
Für uns ist klar: Die Zuckersteuer belastet Verbraucher und Unternehmen, ohne die Gesundheit zu verbessern. Die Ernährungsindustrie versorgt jeden Tag 84 Millionen mit großer Verantwortung Menschen mit Lebensmitteln.
Das sei ein höherer moralischer Anspruch als der von Kritikern, die ständig neue Ideen für andere oder bessere Lebensmittel hätten. Die könnten sich gerne am Markt beweisen, so Minhoff, und zwar „nicht in Umfragen, sondern an der Kasse im Supermarkt“.
>> Das vollständige Interview hören Sie bei WDR 5



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