Wirtschaftsrat lehnt Zuckersteuer ab: Viel Bevormundung, wenig Wirkung
Der Wirtschaftsrat hat im August 2026 ein Positionspapier zur Zuckersteuer veröffentlicht. Sein Urteil ist eindeutig: Die Steuer verfehlt ihr Ziel, belastet Verbraucher und Unternehmen und ersetzt keine echte Prävention. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen.
Die Zuckersteuer ist erneut Thema in der ernährungspolitischen Debatte. Inzwischen wird sogar über eine Ausweitung auf weitere Produkte diskutiert. Der Wirtschaftsrat stellt sich klar dagegen. Aus seiner Sicht ist es nicht Aufgabe des Staates, die Kaufentscheidungen der Menschen über zusätzliche Steuern zu steuern.
Die Begründung der Befürworter
Befürworter verweisen vor allem auf den Gesundheitsschutz, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Die Steuer soll Hersteller zu weniger Zucker in ihren Rezepturen bewegen und das Kaufverhalten verändern. Die Einnahmen sollen zudem in die Prävention fließen.
Kein belastbarer Nachweis für gesundheitlichen Nutzen
Der Wirtschaftsrat hält diese Argumente für nicht tragfähig. Übergewicht hat viele Ursachen. Ob die Besteuerung eines einzelnen Inhaltsstoffs hilft, ist wissenschaftlich umstritten. Softdrinks machen laut Papier nur rund zwei Prozent der täglichen Kalorienaufnahme aus. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen zwar veränderte Rezepturen und Konsummuster, aber keinen nachweisbaren, dauerhaften Rückgang von Adipositas oder Diabetes. In Großbritannien ist die Fettleibigkeit bei Kindern trotz Steuer sogar gestiegen.
Auch das Versprechen, mit den Einnahmen Prävention zu finanzieren, überzeugt den Wirtschaftsrat nicht. Steuern sind in Deutschland nicht zweckgebunden. Je schwächer die gesundheitliche Wirkung belegt ist, desto mehr wirkt die Abgabe wie eine weitere Verbrauchsteuer.
Wer am stärksten zahlt
Verbrauchsteuern treffen Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen besonders hart. Sie geben einen größeren Teil ihres Geldes für Lebensmittel aus. In Zeiten hoher Lebenshaltungskosten würde der Staat Produkte des täglichen Bedarfs zusätzlich verteuern. Das geht nach Einschätzung des Wirtschaftsrats vor allem zulasten von Familien.
Willkürliche Abgrenzung
Eine Kalorie bleibt eine Kalorie, egal aus welchem Produkt sie stammt. Eine Steuer auf einzelne Produktgruppen ist daher in sich nicht schlüssig. Die diskutierte Ausweitung auf Milchmischgetränke, alkoholische Getränke und Süßstoffe verschärft das Problem. Sie zeigt aus Sicht des Wirtschaftsrats, wie schnell aus einer gezielten Lenkungsabgabe eine immer breitere Verbrauchsteuer wird.
Zusätzliche Last für Mittelstand und Standort
Die Lebensmittelwirtschaft steht bereits unter Druck durch Verpackungsvorgaben, Lieferkettenanforderungen und Berichtspflichten. Eine neue nationale Sonderabgabe wäre bei schwacher Konsumlage und hohen Kosten das falsche Signal. Besonders betroffen wären mittelständische Hersteller. Dabei hat die Branche bereits gehandelt: Seit 2018 wurde der Zuckergehalt in Produkten um rund 15 Prozent gesenkt. Freiwillig und ohne neue Steuer.
Hinzu kommen neue Bürokratie entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie offene Fragen bei Abgrenzung, Erhebung und Kontrolle. Eine nationale Sonderregel muss außerdem mit dem europäischen Binnenmarkt vereinbar sein. Das schafft rechtliche Unsicherheit.
Was stattdessen helfen würde
Das Ziel, Kinder und Jugendliche vor zu viel Zucker zu schützen, teilt der Wirtschaftsrat ausdrücklich. Er schlägt dafür drei Ansätze vor:
Ernährungsbildung von Anfang an: Schon in der Kita, etwa durch gemeinsames Kochen. In der Schule soll Ernährung in eigenen Unterrichtsmodulen vermittelt werden, nicht nur am Rand.
Partnerschaft mit der Wirtschaft: Unternehmen, Handel, Bildungseinrichtungen, NGOs, Ministerien und Stiftungen arbeiten bereits in vielen Programmen zu Ernährung, Bewegung und Prävention zusammen. Bund und Länder sollten diese Ansätze gezielt stärken, statt neue Steuern und Verbote einzuführen.
Aufklärung statt Abgaben: Social-Media-Formate und bekannte Vorbilder, die einen gesunden Lebensstil vorleben, erreichen junge Menschen nach Einschätzung des Wirtschaftsrats deutlich besser als eine Steuer.
Das Fazit des Wirtschaftsrats
Die Zuckersteuer belastet vor allem Menschen mit geringem Einkommen. Ihr gesundheitlicher Nutzen bleibt fraglich. Der Wirtschaftsrat sieht darin vor allem Symbolpolitik. Der Staat solle faire Rahmenbedingungen setzen und mündigen Bürgern die Entscheidung über ihren Speiseplan selbst überlassen.



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